Wie sich eine 70 Jahre alte Vision erfüllte

 

Ein grönländischer Ältester hatte vor rund 70 Jahren als 14 jähriger Junge eine Traumvision: „Es wird die Zeit kommen und ein Indianer reist nach Grönland. Er wird eine ganz besondere Gebetspfeife mitbringen und er wird viel in Bewegung bringen.“

 

Johannes hat 70 Jahre an dieser Traumvision festgehalten, hat sie nie vergessen. Und als über den Ruf der Geistigen Welt die Einladung zum Ältestentreffen nach Grönland kam, hat Oyaté-tha-Tacan’sina im Jahr 2017 die Reise auf die Insel des ewigen Eises angetreten.

 

Bei der ersten Begegnung mit dem nunmehr über 80jährigen Johannes ist dieser in Tränen ausgebrochen: „Ich habe dich gesehen, mit genau dieser Gebetspfeife – und nun bist du nach so langer Zeit wirklich da!“. Das war für alle ein sehr bewegender Moment und nach einer ersten Umarmung waren die beiden die restliche Grönlandreise lang unzertrennlich.

 

 

Die Ältesten waren voller Sorge, da die Gletscher aufgehört haben, zu ihnen zu sprechen. Das Eis schmilzt unaufhörlich und es ist kein Ende abzusehen. Es wurde dann von den Ahnen-Ältesten eine Zeremonie einberufen. In dieser Zeremonie wurde die Insel Grönland wieder mit dem Festland verbunden. Während dieser Zeremonie zeigten sich klare Bilder. So war es einst: das Eis war so mächtig, dass man vom Festland (Nordamerika) mit dem Kanu auf die Insel gelangen konnte. Die Distanz wurde zunehmend größer und konnte irgendwann nicht mehr überwunden werden. Einzelne Personengruppen sind daher auf der Insel geblieben – die Ur-Ahnen der Grönländer. In der Zeremonie wurde diese Verbindung, die Verbindung zu den Ur-Wurzeln, erneuert.

 

Kurz darauf hat der Gletscher sogar wieder gesprochen – gekalbt – und eine wunderbare hellblaue frische Eisfläche war zu sehen.  Als Dank und als Unterstützung für die Gletscherspirits wird seither im Stamm Canglesa-Takata jeden Tag eine Gebetszeremonie gemacht.

 

 

Oyathé-tha-Tacan’sinas Urgroßmutter und Großmutter aus dem Volk der Huronen hatten erzählt, dass ihre Vorfahren mit Booten bis nach Grönland gefahren sind und ihre Brüder und Schwestern dort besucht haben. Damals war das Eis von Canada und das Eis von Grönland , nur eine Kajakentfernung auseinander. So wie damals hat sich nun auf der Ahnenebene eine Brücke von Grönland nach Kanada gebildet.

 

Vieles ist in Grönland in Bewegung gekommen und der Ruf nach einem Treffen der Ältesten und der Möglichkeit eines gemeinsamen Austausches ist zurück nach Europa mitgenommen worden. „Mutter Erde braucht Hilfe“ – das ist der gemeinsame Auftrag, der in die verschiedenen Völker zu den Ältesten gebracht wird und zum ersten vom Stamm Canglesa-Takata einberufenen Ältestentreffen 2018 geführt hat, das 2019 fortgesetzt wird.